Presse

Tageblatt 03.02.2020: Altkloster wird zu Unrecht vernachlässigt

Antja Ghosh am Mühlenteich – hinter ihr ist das Ufer zu sehen, an dem die Papierfabrik früher stand. Foto: Richter

Von Anping Richter

BUXTEHUDE. Weltweit dürfte sich kaum jemand wissenschaftlich so mit Altkloster befasst haben wie Antje Ghosh. Die Historikerin lebt in Altkloster und widmet sich seit vielen Jahren intensiv der Erforschung der Ortsgeschichte.

Die Buxtehuder Historikerin, Jahrgang 1937, ist eine Spätberufene: Sie arbeitete in einer Hamburger Bank und später auch als Übersetzerin. Viele Jahre hatte sie schon in Altkloster gelebt, bevor sie sich den Traum eines Hochschulstudiums der Geschichte erfüllte. Dafür interessiert hat sich Antje Ghosh aber schon lange vorher. Vielen dürfte sie als langjährige Aktive im Heimat- und Geschichtsverein und in der Buxtehuder Märchengesellschaft bekannt sein – und als Autorin des Buches „Buxtehuder Has‘ und Igel weltweit“, das der Heimatverein 1999 herausgab. Ihre Bachelorarbeit schrieb Ghosh über die Papierfabrik in Altkloster, ihre Masterarbeit 2018 über die Eingemeindung von Altkloster im Jahr 1931.

Dass Altkloster sich trotz der Eingemeindung bis heute ein eigenes Identitätsgefühl bewahrt hat, ist vielen bekannt. Einige Ältere sprechen auch heute noch mit Wehmut von der früheren Eigenständigkeit als politische Gemeinde. Doch es gab durchaus gute Gründe dafür, dass die Forderung nach einer Eingemeindung bereits 1918 während der Interimszeit des Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrates aufkam: Durch die vielen Kriegsversehrten, Witwen und Waisen stiegen die Fürsorgekosten; auch die Schulen hätten gemeinsam kostengünstiger und effizienter betrieben werden können. Der damalige Gemeindevorsteher Johannes Allers beantragte, Verhandlungen mit Buxtehude aufzunehmen. Der dortige Magistrat signalisierte Gesprächsbereitschaft, doch bis die Sache zur Umsetzung kam, sollten viele Jahre ins Land gehen.

Das Andreas-Bad , der Vorläufer des heutigen Heidebads, um 1930. Fotos (3): Stadtarchiv Buxtehude

Antje Ghosh hat im Stadtarchiv der Hansestadt Buxtehude und im Niedersächsischen Landesarchiv Akten und Dokumente gewälzt und sich ein detailliertes Bild davon machen können, was zwischen 1918 und 1931 passierte. Ihr besonderes Augenmerk galt einem Mann, der sich um Altkloster sehr verdient gemacht hat: dem ehemaligen Bürgermeister und Sozialdemokraten Franz Andreas – manche mögen sich noch erinneern, dass der Vorläufer des heutigen Heidebads, das vor allem durch seine Initiative und unter seiner Regie entstand und 1930 eröffnet wurde, einst „Andreasbad“ hieß. Auch die Rennbahn, das heutige Jahnstadion, wurde zu seiner Zeit eröffnet, zuerst als Pferderennbahn für die Betuchteren, ab 1924 aber schon nach Turnvater Jahn benannt.

Franz Andreas zog mit seiner Frau und seinen vier Kindern aus Neugraben nach Altkloster, als er dort 1923 Gemeindevorsteher wurde. Mit seiner Enkelin Lore Lehmann, die heute in Göttingen lebt, hat Antje Ghosh sich persönlich getroffen und über ihren Großvater ausgetauscht: „Er war ein hochgebildeter Mann“, sagt sie über den technischen Zeichner und Katasteramts-Fachmann, der auch dichtete und später eigenhändig die Entwürfe für die spätere Badeanstalt zeichnete – und für die Notgeld-Scheine, die die Gemeinde Altkloster während der Inflation herausgab.

Vereinigung von Buxtehude und Altkloster stockte zunächst

Schon zu Beginn seiner Amtszeit sprachen Franz Andreas und der Gemeindeausschuss sich klar für eine Vereinigung von Buxtehude und Altkloster aus, doch in Buxtehude stockte die Sache. Derweil wurden weiter Gespräche geführt, an denen sich auch der Regierungspräsident und die Landräte in Stade und Jork beteiligten, und in denen auch die Vorteile der möglichen Eingemeindung von Ottensen, der Lüneburger Schanze, Dammhausen und Neuland angesprochen wurden. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich zwar auf allen Seiten Unterstützer für eine Eingemeindung fanden, die stichhaltige Gründe anführten. Die Vorbehalte vieler anderer konnten sie aber offenbar nicht so leicht zerstreuen.

Derweil erlebten Altkloster wie Buxtehude schwere Zeiten: Die Inflation machte beiden wirtschaftlich zu schaffen, und beide gaben vor Ort gedrucktes Notgeld heraus. Die schon durch die mangelnde Versorgung während des Krieges geschwächte Winter’sche Papierfabrik, Altklosters größter Arbeitgeber, musste 1925 Konkurs anmelden. Der durch Arbeiter geprägte Ort Altkloster verarmte – und Gemeindevorsteher Franz Andreas reagierte darauf, indem er so viel wie möglich vor Ort investierte und öffentliche Fördergelder einwarb, um Arbeit zu schaffen und die Konjunktur anzukurbeln. Er ließ Straßen, die Kanalisation und die Straßenbeleuchtung ausbauen – und er ließ das Schwimmbad bauen, das 1930 eröffnet wurde.

Um 1930 war Altkloster durch Schulden, mangelnde Einnahmen und hohe Fürsorgekosten aber auch praktisch zahlungsunfähig. Diese Entwicklungen hatten die Eingemeindung für Buxtehude immer unattraktiver gemacht. Franz Andreas bat indes mit großer Dringlichkeit um Vollzug, und der Druck des Regierungpräsidenten, die Eingemeindung endlich umzusetzen, wurde stärker. Am 27. Januar 1931 war es amtlich: Der Preußische Landtag hatte die Eingemeindung Altklosters nach Buxtehude beschlossen. Die Nachricht löste aber keineswegs nur Freude aus: Altklosteraner Bürgervorsteher waren empört und bitter enttäuscht, dass sie ihre Mandate zunächst ersatzlos verloren. Schnelle Neuwahlen waren bei der Eingemeindung nicht vorgesehen.

Historikerin wünscht sich einen Hinweis auf den Standort der früheren Papierfabrik

Die Kränkung, die damals entstand, ist nicht vergessen, weiß Antje Ghosh: „Die Identität von Altkloster ist verlorengegangen, und das hat auch etwas mit der Eingemeindung zu tun.“ Dabei war es die dortige Hude, ein kleiner Fähranleger am Buchengestade (Buochstadon), die zur Namensgeberin der Stadt wurde. Sie lag ungefähr zwischen Papierfabrik und Gildehaus. „Altkloster ist eigentlich die Wiege von Buxtehude“, sagt Ghosh. Dennoch werde es vernachlässigt – auch heute: Die Hauptstraße sei öde, alles konzentriere sich auf die Innenstadt. Der Schafmarkt, früher ein Ort der Buden, des Handels und des bunten Treibens, sei ein leerer, nichtssagender Platz geworden. Davon zeuge sogar das Denkmal, das eigentlich an diese Zeiten erinnern soll: „Bei der Nonne mit dem Schafbock fehlt seit Jahren das Seil; wann wird das endlich ersetzt?“

Was Ghosh sich noch wünscht, um die Identität des Stadtteils zu stärken: Einen Hinweis auf den früheren Standort der Papierfabrik, die mit ihrer Vorläuferin, der Papiermühle, über Jahrhunderte der wichtigste Arbeitgeber war. Und ein wirklich informatives Ortsschild, das den Eingang der alten Gemeinde Altkloster markiert und auf die vielen historischen Orte und Sehenswürdigkeiten hinweist.

Die alte Papiermühle in Altkloster im Jahr 1821 – vor dem Umbau zur Fabrik in den Jahren ab 1840.

Vortrag

Über Altklosters Geschichte weiß Anrje Ghosh noch viel mehr Spannendes zu berichten und wird darüber im Rahmen der Reihe „Lebensader Este“ des Heimatvereins und des Kulturforums dortselbst am Sonntag, 23. Februar, ab 17 Uhr einen Vortrag halten. Eintritt 5 Euro. Ihre Masterarbeit ist im Internet zu lesen: heimat-und-geschichtsverein-buxtehude.de

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TAGEBLATT vom 23.12.2019:

Wichtelparade und Geschichten locken zum Wintermärchen

Superintendent Dr. Martin Krarup liest in der Wintermärchenbude vor. Fotos: RichterVon Anping Richter

BUXTEHUDE. Buxtehude nimmt Anlauf für den Endspurt vor Weihnachten: Neben letzten Weihnachtseinkäufen und Budenzauber locken auch Aktionen in die Altstadt – mit Wichtelparade, plattdeutscher Wiehnacht, Kaspertheater und Vorlesen in der Wintermärchenbude.

Beim Buxtehuder „Wintermärchen“ geht es auf den ersten Blick alles andere als besinnlich zu: Am Sonnabendnachmittag ist die Altstadt so voll wie selten, im Tannenwäldchen vor dem Rathaus fließt der Glühwein in Strömen, im Karussel ist jeder Platz besetzt und mittendrin treffen Besucher mit Glück auf die Wichtelparade. Die Wichtel sind in ihren rot-grünen Kostümen ein echter Hingucker, mit ihren Masken sehen sie aus wie Mischwesen aus Planet der Affen und Herr der Ringe. Sie ziehen mit einem Hochrad, einer mobilen Riesenpauke und wilden akrobatischen Späßen durch die Menge. Lustig geht es beim „NettWarkPlatt“ auf dem Ewer am Fleth ab 16 Uhr zu: „Wiehnacht op‘n Ewer ist angesagt, mit plattdeutschen Liedern, Geschichten und einem Mini-Theaterstück der Gruppe „Op un Dool“ namens „Oh jee, Rotkäppchen im Familiendschungel“. Wie schon bei der Vorstellung am Freitag ist es an Deck richtig voll.

Mit Anlauf aufs Hochrad: Die Wichtel ziehen mit Slapstick und Akrobatik durch die Altstadt.

Besinnlicher ist die Stimmung in der Wintermärchenbude, wo der Heimat- und Geschichtsverein Buxtehude zu einer Vorleseaktion mit bekannten Buxtehudern eingeladen hat. Sie hatten ihre Lieblings-Weihnachtsgeschichten im Gepäck: Landrat Michael Roesberg die vom kreiselnden Weihnachtsbaumständer und die Buxtehuder Bürgermeisterin Katja Oldenburg Schmidt „Pelle zieht aus“ von Astrid Lindgren. Gemeinsam mit den Zuhörern stimmten die beiden zum Schluss noch „Oh Tannenbaum“ an. BSV-Handballerin Maike Schirmer las den Grimm-Klassiker „Schneeweißchen und Rosenrot“ vor und TAGEBLATT-Redakteurin Anping Richter die zungenbrecherische Geschichte von der Schneeseekleerehfee. Superintendent Dr. Martin Krarup beschloss den Vorlese-Nachmittag mit einer wilden Geschichte: Wie die Herdmanns, „die schlimmsten Kinder aller Zeiten“ einmal beim Krippenspiel mitmachten. Das machte Spaß und gespannt auf den Kirchenbesuch am Heiligabend. Das St-Petri-Krippenspiel beginnt übrigens um 16 Uhr, der Open-Air-Gottesdienst auf dem Petri-Platz um 17 Uhr.

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TAGEBLATT vom 2.11.2019: Das NettwarkPlatt, eine Arbeitsgemeinschaft des Heimat- und Geschichtsvereins, besteht seit zehn Jahren, und der Geburtstag wird gefeiert: mit einem Programm aus Musik, Geschichten und Theater am Mittwoch, 6. November, ab 19.30 Uhr im Kulturforum.

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Buxtehuder Tageblatt vom 21.6.2019
 
Este-Wanderung auf dem Herrgottsweg

 

Zur Einweihung begießt der Regen die Bank an der Ziemensbrücke und ein Schild, das auf den Herrgottsweg hinweist, mit dem der Heimat- und Geschichtsverein Buxtehude und der Heimat- und Verkehrsverein Estetal Hollenstedt an den Dichter Johann D. Bellmann erinnern.
 

BUXTEHUDE. Wer auf dem Estewanderweg zwischen Buxtehude und Moisburg wandert, kann jetzt ein Stück auf dem Herrgottsweg gehen.

In einer gemeinsamen Aktion haben der Heimat- und Geschichtsverein Buxtehude und der Heimat- und Verkehrsverein Estetal Hollenstedt bei der Ziemens-Brücke, welche die Moisburger Esteseite mit der Nindorfer verbindet, eine Bank für die verdiente Wanderpause aufgestellt und den Wegabschnitt als Herrgottsweg deklariert. Der Name soll an den plattdeutschen Schriftsteller und Dichter Johann D. Bellmann (1930-2006) erinnern, der in Nindorf gelebt hat. Bellmann hat die Geschichte von „Uns Herrgott sien Daglöhner“ mit Witz und Tiefgang auf Plattdeutsch geschrieben.

In der Geschichte kommt der Herrgott noch von Zeit zu Zeit auf die Erde, um nach dem Rechten zu sehen. Eines Tages gelangte er auch an die Este. Er hatte in Moisburg den Pastor besucht, mit ihm einen kurzen Klönschnack gehalten und dabei ein Glas Ziegenmilch getrunken. Danach wanderte der Herrgott weiter durch das Estetal, bis er bei der Ziemens-Brücke eine Pause einlegte.

Eigentlich wollte er auf der Moisburger Seite nach Buxtehude gehen, aber als er auf der Nindorfer Seite der Este bei der Ziegeleikuhle den Plaggenhauer Luuden Alldag bei der Arbeit erblickte, überquerte er entschlossen den Fluss, um von dem Tagelöhner mehr über Land und Leute zu erfahren. Zwischen den beiden entspann sich ein langes Gespräch über Gott und die Welt. Am Ende war Luuden Alldag tief berührt von dem Gedankenaustausch, und er bat den Herrgott, mit in den Himmel kommen zu dürfen. (bt)

Lektüretipp

Zum Nachlesen: Johann D. Bellmanns Geschichte „Uns Herrgott un sien Daglöhner“ ist mit anderen Erzählungen im gleichnamigen Buch beim Heimatverein Buxtehude erschienen.

(ISBN: 3-981061-2-4).

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Tageblatt, 11.2.2019:

BUXTEHUDE. Lange war es ungewohnt still am Stavenort in Buxtehude. Doch nun erklingt das Glockenspiel am Stavenort nach längerer, reparaturbedingter Pause wieder drei Mal täglich.

„Es trägt zur Belebung des attraktiven, aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen schönen Platzes bei“, teilt der Heimatverein Buxtehude mit, der es genau mit dieser Intention am 6. Dezember 2008 dort installieren ließ. Zur Realisierung des Glockenspiels trugen damals Bürger, Institutionen, Stiftungen und Firmen bei.

Es besitzt 24 Glocken in der Tonfolge c3, d3, in Halbtonschritten fortschreitend bis c5 und wurde von der Glockengießerfirma Königliche Eijsbouts in Asten in den Niederlanden hergestellt. Planung, Technik und Realisierung führte die Firma Otto-Buehr GmbH in Neustadt in Holstein durch. Dreimal täglich, um 11.30 Uhr, 15.30 Uhr und 16.30 Uhr, erklingen am Stavenort nun bekannte und weniger bekannte Melodien, vor allem Volkslieder und klassische Musik, passend zu den jeweiligen Jahreszeiten.

Wer sich das Glockenspiel anhören möchte und zu den genannten Uhrzeiten nicht vor Ort ist, kann es im Internet als Audiodatei auf der Seite des Heimatvereins unter dem Reiter „Unsere Häuser/ Das Glockenspiel“ anklicken. (bv)

Information

Pflege, Wartung und auch manche inzwischen notwendig gewordene Reparatur kosten den Heimat- und Geschichtsverein Buxtehude e.V (vormals Heimatverein Buxtehude Haus Fischerstraße 3 e.V.) viel Geld. Der Verein nimmt daher gerne Spenden unter dem Stichwort „Glockenspiel“entgegen und dankt dafür schon vorab. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Die Bankverbindung des Heimat- und Geschichtsvereins lautet: DE20 2075 0000 0055 1408 34 / NOLADE21HAM. Kontakt unter heimatverein-buxtehude(at)t-online.de.

www.heimat-und-geschichtsverein-buxtehude.de

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Wochenblatt, 9.2.2019
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Tageblatt, 24.1.2019

Hamburger Abendblatt, 21. Januar 2019
Tageblatt, 8. Januar 2019
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Tageblatt 17.10.2018
 
Tageblatt 15.9.2018

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Tageblatt 30.7.2018
 
 
 
 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Tageblatt vom 30.6.2018
Anmerkung zum Tageblatt-Artikel: Die Redakteurin vom Tageblatt hat leider einige wichtige Informationen, die ihr im Interview mitgeteilt wurden, nicht in ihrem Text thematisiert. Zum Beispiel war bisher die umfangreiche Bibliothek des Heimat- und Geschichtsvereins im Heimatmuseum untergebracht und es gab einen Computer-Arbeitsplatz. Für diese für den Verein wichtigen Einrichtungen gibt es z. Z. keine Lösung, wenn der Verein das Heimatmuseum an die Stadt Buxtehude verschenken würde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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